Alexanders Rückkehr von der 10-tägigen Arctic-Survival Tour im Polarkreis
Zurück aus dem Eis: Willkommen zu Hause, Alex!
Eisige -30 °C, endlose Weiten und eine Natur, die keine Fehler verzeiht – hinter unserem Guide Alex liegen zehn Tage voller Extreme in der Wildnis von Kiruna. Während wir hier im Wildlingsheim alles für die kommenden Projekte vorbereitet haben, waren unsere Gedanken oft im hohen Norden.
Wir sind unglaublich froh und dankbar, dass Alex wohlbehalten und voller wertvoller Erfahrungen nach Hause zurückgekehrt ist. Alex Reise war ein Härtetest: Wie viel Wildnis steckt noch in uns, wenn das Überleben zur Priorität wird?
Direkt nach seiner Rückkehr vor wenigen Tagen haben wir ihm die brennendsten Fragen gestellt. Hier sind seine Antworten zur Excursion Kiruna 2026:

Die Verantwortung als Guide: Bei -30 °C in Kiruna hängt die Sicherheit der Gruppe an deinen Entscheidungen. Was war die kritischste Situation, in der du innerhalb von Sekunden entscheiden musstest?
„Wir standen vor der Wahl: Im Schutz der letzten Bäume campieren oder in der Dunkelheit über die Berge in die Ungewissheit ziehen. Das Team entschied sich für den harten Weg. Wir kamen erst tief in der Nacht in einer absoluten Eiswüste an – ein erschöpfender, aber prägender Moment. Zudem gab es den Punkt, an dem ein Teilnehmer aus gesundheitlichen Gründen abbrechen musste. Solche Entscheidungen müssen zum exakt richtigen Zeitpunkt getroffen werden, bevor die Situation wirklich lebensbedrohlich wird.“
Navigation- wie behältst du die Orientierung und die Ruhe, um die Gruppe sicher zu führen?
„Die echte Herausforderung ist ein ‚Whiteout‘, wenn Silhouetten verschwinden und man keine Konturen mehr sieht. Da hilft nur das GPS und die innere Gelassenheit. Ich habe gelernt, dass die Ruhe, die ich ausstrahle, direkt auf die Gruppe übergeht. Es braucht Training, in dieser absoluten Isolation entspannt zu bleiben, aber diese Ruhe liegt letztlich in der Natur des Menschen, wenn er sich auf die Umgebung einlässt.“

Welches Ausrüstungsteil hat dich bei dieser extremen Kälte am meisten überrascht – positiv wie negativ? „Positiv: Die Kombination aus Rentierfell und Expeditionsschlafsack. Unter Polarlichtern und Sternen völlig ohne Zelt im Eis zu liegen und sich dabei absolut sicher und warm zu fühlen, ist ein unbeschreibliches Gefühl. Negativ: Alles, was einfriert, wird unbrauchbar. Es macht überhaupt keinen Spaß, seine Hände mit Gewalt in komplett tiefgefrorene Handschuhe zu zwingen und sie darin unter Schmerzen erst mühsam auftauen zu müssen.“
In der Arktis ist ein Feuer Überlebensgarantie. Wie schwierig war es, die Gruppe dazu zu bringen, die Routine-Handgriffe trotz eingefrorener Finger perfekt auszuführen?
„In der Kälte nimmt man Aufgaben dankbar an, denn Bewegung ist die einzige Überlebensstrategie, um warm zu bleiben. Neben der Tagesetappe bewegt man sich im Camp fast das Doppelte. Die Routine bei der Wasserbeschaffung oder beim Holzschlagen sitzt nach ein paar Tagen perfekt. Wenn die Handgriffe trotz der widrigen Umstände ineinandergreifen, fängt das Abenteuer erst an, richtig Spaß zu machen.“
Wie habt ihr die Nächte verbracht? Erzähl uns Details zum Schlafsystem – wie verhindert man, dass man bei -30 °C im Schlaf auskühlt?
„Wenn es stürmisch wird, ist ein selbstgebautes Iglu der sicherste Ort der Welt. Es ist dort drin unfassbar leise und stabil. Allein durch die eigene Körperwärme steigt die Temperatur auf -4 °C, während draußen -30 °C herrschen. Dieser Kontrast ist Wahnsinn. Ansonsten nutzen wir Militärzelte mit Ofen und Feuerwache, aber das Eingraben im Schnee ist oft die ehrlichste und sicherste Verbindung zur Natur.“

Verpflegung_Der Körper verbrennt Unmengen an Energie. Was war das beste Essen, um die „innere Heizung“ am Laufen zu halten? Wie war euer Essens Tagesablauf?
„Man verliert trotz Unmengen an Nahrung zwei bis vier Kilo pro Woche. Ein warmer Porridge am Morgen und vorgekochtes Essen am Abend sind überlebenswichtig. Wenn du den Moment verpasst und in den Unterzucker rutschst, kippt die Stimmung sofort. Ein süßer Riegel kann da wie ein kleiner Motor wirken, der die innere Heizung innerhalb von Minuten wieder anwirft und dich buchstäblich ‚warm laufen‘ lässt.“
Hygiene_Wie managt man die intimsten Bedürfnisse (Toilettengang/Pflege) bei dieser Kälte, ohne Erfrierungen zu riskieren?
„Hygiene ist kriegsentscheidend, besonders für die Essenszubereitung. Wir bauen eine kleine Station auf; da Alkohol nicht so schnell gefriert, funktioniert das Desinfizieren gut. Beim Toilettengang im tiefen Schnee ist es gar nicht so kalt, wie man denkt, wenn man sich erst einmal freigeschaufelt hat. Wichtig ist nur das oberste Gebot: Wir hinterlassen nichts. Alles an Müll und Papier wird wieder eingesammelt.“
Wann wurde aus der Gruppe eine echte, eingeschworene Expeditionseinheit?
„Da draußen ist man so radikal aufeinander angewiesen, dass das Gruppengefühl über alles geht. Selbst Hilfe von außen käme im Notfall zu spät – man muss sich gegenseitig helfen. Diese extreme Kälte schweißt Menschen so eng zusammen, wie man es sich im normalen Alltag niemals vorstellen könnte. Wir gehen am Ende nicht als Reisegruppe, sondern als eine Art Familie aus dem Eis hervor.“

Wie schaffst du den Spagat zwischen notwendigen Sicherheitsansagen als Führer und dem gemeinsamen Erleben im Team?
„Führung bedeutet für mich, ständig zu spüren, was das Team gerade braucht. Manchmal muss es fast militärisch klar und strukturiert sein, um die Sicherheit zu garantieren, und im nächsten Moment wieder völlig entspannt. Es gibt kein festes Rezept – es ist ein ständiges Anpassen an die Dynamik der Gruppe und die Härte der Natur.“
Wie konntest du unsere Wildlingsheim Philosophie der Naturverbindung vermitteln, wenn jeder Teilnehmer primär mit dem eigenen Überleben beschäftigt war?
„Es ist unsere Verantwortung als Guides, Momente der Stille zu erzwingen. Man muss bewusst innehalten, um die Magie überhaupt wahrzunehmen. Wenn man die Nordlichter sieht und diese unfassbare Stille hört, geht das durch bis ins Knochenmark. In diesen Augenblicken lässt man den Überlebenskampf los und reflektiert tiefgehend, was gerade eigentlich passiert. Das ist reine Naturverbindung.“
Gab es einen Moment der absoluten Schönheit, der dich sprachlos gemacht hat?
„Es gab diesen einen Abend: Wir hörten als Gruppe gemeinsam ein Lied, blickten in die tanzenden Nordlichter und jeder spürte diese tiefe, emotionale Verbundenheit. Das lässt sich nicht in Worte fassen. Das sind Momente, die jeder für sich gleich wahrnimmt und die man nur dort draußen erleben kann. Es war pure Magie, die uns alle sprachlos gemacht hat.“

Der Zivilisationsschock_ Nach 10 Tagen Wildnis seid ihr zuerst in eine einfache Holzhütte zurückgekehrt. Wie hat sich der erste Moment angefühlt, als du wieder feste Wände um dich hattest und keine Angst vor dem Erfrieren haben musstest?
„Es ist hart, die Natur und diese ‚Eis-Familie‘ zu verlassen. Man befindet sich in einem besonderen Zustand und hinterfragt plötzlich vieles im eigenen Leben. Wenn man aus dieser absoluten Wildnis zurückkommt, kann selbst eine winzige Stadt mit nur 13.000 Einwohnern eine totale Überforderung sein. Der Kontrast zur Reizüberflutung in Deutschland ist im ersten Moment gewaltig.“

Was hast du da draußen am meisten vermisst – und was war das Erste, was du nach deiner Ankunft in Deutschland so richtig genossen hast?
„Da draußen wird dir glasklar aufgezeigt, was du im Alltag wirklich liebst und schätzt – Dinge, die man sonst oft als selbstverständlich hinnimmt. Für mich war das ganz klar meine Freundin. Man reduziert sich auf das Wesentliche und merkt, welche Menschen einem wirklich fehlen, wenn jeglicher Luxus und jede Ablenkung wegfallen.“
Vorschau 2027_Was hast du auf dieser Tour gelernt, das du bei der nächsten Expedition im kommenden Jahr optimieren wirst?
„Das Konzept steht, aber ein wahres Abenteuer lässt sich nie zu 100 % vorplanen. Ich werde an feinen Stellschrauben im Tagesablauf drehen. Aber der Kern bleibt: Wir müssen im Moment entscheiden, weil die Arktis jedes Mal andere Umstände bereithält. Genau das macht es aus – nicht für alles sofort eine fertige Antwort parat zu haben, sondern sich der Wildnis zu stellen.“
N.K.
P.S. Nach dem Erfolg der letzten Expedition stehen die Tore offen für die Arctic Survival Tour März 2026 (für Kurzentschlossene) und die Tour Start 2027.
Hast du Lust Alex beim nächsten Trip zu begleiten, Überleben im Eis zu lernen und eine Verbundenheit zur Natur und zu dir zu finden: informiere dich hier : https://survival.kirunahusky.com/ oder
Erfahre mehr über Alexander unter instagram.com/adventure__viking/ und über Wildlingsheim unter: instagram.com/wildlingsheim

