Aromen & Mazerate aus dem Garten herstellen

Rosenblätter geerntet in einer schale

Aromen & Mazerate aus dem Garten herstellen

Von der Gartenernte zum selbstgemachten Mazerat

Meine Erfahrungen beim Ernten und Verarbeiten von Lavendel, Rosenblättern & Co. für wohltuende Pflanzenöle

Schon als Kind war ich fasziniert davon, wie meine Großmutter aus den einfachsten Gartenpflanzen die wohlriechendsten Tinkturen und Heilcremes zauberte. Heute, als Mutter von drei Kindern und Mitgründerin von Wildlingsheim, setze ich diese Tradition fort. Die Herstellung von Mazeraten aus frischen Gartenkräutern ist für mich eine Verbindung zu unseren Wurzeln und ein Weg, die Kraft der Natur in unserem Alltag zu bewahren.

Die richtige Ernte – Was ich über die Jahre gelernt habe

Der perfekte Erntezeitpunkt

Nach Jahren des Experimentierens habe ich gelernt: Der Zeitpunkt der Ernte entscheidet über Erfolg oder Misserfolg. Ich ernte grundsätzlich zwischen 9:00 und 11:00 Uhr vormittags. Zu dieser Zeit ist der Morgentau abgetrocknet, aber die Sonne noch nicht so intensiv, dass sie die wertvollen ätherischen Öle der Pflanzen verdampfen lässt.

Mindestens zwei trockene Tage müssen vergangen sein, bevor ich zur Schere greife. Nach Regen zu ernten war ein Fehler, den ich nur einmal gemacht habe – die Pflanzen waren zu wasserreich und das Mazerat schimmelte.

Meine Lavendelernte

Lavendel: Ich ernte ihn kurz vor der Vollblüte, wenn die ersten Blütenstände sich öffnen. Das ist der Moment höchster Konzentration der ätherischen Öle. Ich schneide etwa 10-15 cm unter den Blütenständen und nehme bewusst auch die oberen grünen Pflanzenteile mit – sie enthalten ebenfalls wertvolle Öle.

Dabei achte ich darauf, niemals mehr als ein Drittel der Pflanze zu ernten. Meine Lavendel sollen ja auch im nächsten Jahr noch kräftig blühen.

Rosenblüten – die Königinnen des Gartens

Die Ernte der Rosenblüten erfordert besondere Sorgfalt. Ich pflücke sie am frühen Morgen, wenn sie gerade aufgegangen sind und noch voller Tau stehen. Dabei zupfe ich die Blütenblätter einzeln ab und achte darauf, nur die makellosen zu verwenden.

Rosenblüten sind empfindlich – sie verlieren schnell ihre Kraft. Deshalb verarbeite ich sie sofort nach der Ernte.

Vorbereitung – Die Kunst des Wartens

Nach der Ernte lasse ich die Pflanzen ein bis zwei Stunden an einem schattigen, luftigen Platz anwelken. Das reduziert den Wassergehalt und konzentriert die Wirkstoffe.

Waschen tue ich die Pflanzen nie – das würde die wertvollen ätherischen Öle wegspülen. Bei Bedarf klopfe ich sie nur sanft ab. Beschädigte oder welke Teile entferne ich sorgfältig von Hand.

Das Ansetzen des Mazerats – Mein bewährtes Vorgehen

Meine Grundausstattung

Ich verwende ausschließlich saubere Schraubgläser, die ich vorher mit kochendem Wasser sterilisiere. Als Trägeröl bevorzuge ich Jojobaöl – es ist sehr stabil und wird nicht so schnell ranzig wie andere Öle. Manchmal verwende ich auch hochwertiges Mandel- oder Sonnenblumenöl.

Das richtige Verhältnis

Durch viele Versuche habe ich die optimalen Mischverhältnisse gefunden:

  • Lavendel verwende ich im Verhältnis 1:4 (ein Teil Pflanzen, vier Teile Öl)
  • Bei Rosen reicht 1:3, da sie sehr ergiebig sind
  • Kräuter wie Rosmarin oder Salbei mische ich 1:3 bis 1:4, je nach gewünschter Intensität

Mein Vorgehen

Ich fülle das Glas zu etwa einem Viertel mit den angewelkten Pflanzen und übergieße sie dann vollständig mit dem Jojobaöl. Durch leichtes Klopfen an die Glaswand entferne ich Luftblasen. Dann verschließe ich das Glas fest und beschrifte es mit Inhalt und Datum.

Die Mazeration – Wo sich Geduld auszahlt

Die beste Qualität bringt der Kaltauszug. Vier bis sechs Wochen lasse ich die Mischung bei Raumtemperatur stehen – hell, aber nicht in direkter Sonne. Jeden Tag schüttle ich das Glas etwa 30 Sekunden lang. Es ist faszinierend zu beobachten, wie sich die Ölfarbe langsam verändert: bei Kräutern wird sie grünlich, bei Rosen rosa.

Den schnellen Warmauszug im Wasserbad habe ich auch probiert, aber die Ergebnisse sind bei weitem nicht so intensiv und langanhaltend.

Abseihen und Lagern – Die letzten entscheidenden Schritte

Nach der Mazeration seihe ich das Öl durch ein feines Sieb, das ich mit einem Mulltuch auslege. Dabei presse ich nie – das würde das Öl trüben. Stattdessen lasse ich es langsam durchlaufen und gieße dann nur das klare Öl ab.

Aufbewahrt wird in dunklen Glasflaschen – braune oder violette Apothekerfläschchen sind ideal. Kühl und trocken gelagert halten sich meine Mazerate sechs bis zwölf Monate. Jede Flasche beschrifte ich genau: Inhalt, Herstellungsdatum und Mischverhältnis.

Was ich aus Fehlern gelernt habe

Schimmel war mein größter Lehrmeister. Wenn das passiert, muss alles sofort entsorgt werden. Meist war zu viel Feuchtigkeit in den Pflanzen oder im Glas. Seitdem achte ich peinlich genau auf trockene Bedingungen.

Ein ranziger Geruch deutet auf zu warme Lagerung oder zu alte Pflanzen hin. Schwache Färbung zeigt mir, dass die Pflanzen bereits zu trocken waren oder zu wenig ätherische Öle enthielten.

Besonderheiten einzelner Pflanzen

Lavendel – Hier verwende ich ausschließlich echten Lavendel (Lavandula angustifolia). Die gesamten Ähren nehme ich mit, für einen intensiveren Duft. Sechs Wochen Mazeration sind optimal.

Rosen – Duftende Sorten wie Damaszener oder Gallica-Rosen geben die besten Ergebnisse. Die frühmorgens geernteten Blütenblätter verarbeite ich sofort, da das Rosenöl sich schnell verflüchtigt.

Kräuter – Rosmarin und Salbei ernte ich vor der Blüte, wenn die Wirkstoffkonzentration am höchsten ist. Leichtes Anquetschen der Blätter verbessert die Ölausbeute.

Von meinem Garten in die Sauna

Die selbstgemachten Mazerate verwende ich für unsere Saunaaufgüsse bei Wildlingsheim. Fünf bis zehn Tropfen pro Liter Aufgusswasser genügen – mehr würde die Sinne überfordern. Das Besondere an diesen selbstgemachten Ölen ist ihre Geschichte. Jedes trägt die Energie unseres Gartens, die Liebe bei der Herstellung und die Geduld der wochenlangen Mazeration in sich.

Wenn ich diese Düfte in der Sauna verwende, spüren die Gäste diese Authentizität. Es ist nicht nur ein Duft, sondern eine Verbindung zur Natur, zu unserer Philosophie und zu mir selbst.

Die Herstellung von Mazeraten hat mich gelehrt, dass die wertvollsten Dinge Zeit brauchen. In unserer schnelllebigen Welt ist das Warten auf ein gutes Mazerat eine Form der Meditation – ein Innehalten, das uns mit dem natürlichen Rhythmus der Pflanzen verbindet.

Diese Erfahrung möchte ich gerne weitergeben – nicht nur durch die fertigen Produkte in unserer Sauna, sondern auch durch das Wissen, wie jeder diese uralte Kunst selbst erlernen kann.

Unsere Aufguss-Zeremonien in der Sauna sind mehr als nur Wellness – sie sind Rituale der Rückverbindung zur Natur und zu uns selbst.

Besucht uns in unserer mongolischen Saunajurte oder bei einem unserer Wildniskurse. Hier könnt ihr nicht nur die Wirkung dieser selbstgemachten Mazerate in unseren besonderen Aufguss-Zeremonien erleben, sondern auch lernen, wie ihr eure eigene Verbindung zur Pflanzenwelt aufbaut.

Denn am Ende geht es nicht nur darum, ein Öl herzustellen. Es geht darum, wieder zu spüren, dass wir Teil eines größeren Ganzen sind – verwurzelt in der Erde, genährt von der Sonne, verbunden mit dem ewigen Kreislauf der Natur.

N.K.