Flo auf dem Weg zum Vipassana (eine der ältesten Meditationstechniken Indiens)
Im Wildlingsheim dreht sich alles um die Balance: Während Alex in der Arktis die äußeren Extreme auslotet, wählt Flo den Weg in die absolute innere Stille. Er begibt sich in ein 10-tägiges Vipassana-Retreat, eine der ältesten Meditationstechniken Indiens, die den Geist auf radikale Weise klärt.
Zehn Tage lang bedeutet das für ihn: „Edles Schweigen“. Kein Wort, kein Blickkontakt, keine Gestik – und vor allem: keine digitalen Ablenkungen, kein Telefonat. Um 4:00 Uhr morgens beginnt der Tag, gefolgt von über 10 Stunden Meditation in tiefer Konzentration. Für uns im Wildlingsheim ist diese Erfahrung von unschätzbarem Wert. Warum? Weil wir glauben, dass man echte Entspannung in der Saunajurte oder tiefe Selbsterfahrung in unseren Kursen nur dann authentisch vermitteln kann, wenn man selbst bereit ist, die lauteste aller Stimmen zu konfrontieren: die eigene innere Unruhe.
Wir verabschieden Flo in diese „Operation am Geist“ und sind gespannt, mit welcher Klarheit und Ruhe er zurückkehren wird, um diese Impulse später in unsere Angebote einfließen zu lassen. Vorher möchten wir jedoch noch folgendes von ihm wissen:
Hallo Flo, du tauschst für zehn Tage dein Leben als Notfallpfleger, Vater und Saunameister gegen ein Meditationskissen. Hier sind unsere Fragen zu deinem Vorhaben:
1. Die Motivation: Vipassana gilt als eine der härtesten mentalen Herausforderungen. Warum entscheidest du dich gerade jetzt dafür, dich dieser extremen Selbstkonfrontation auszusetzen?
Flo: Da ich in eineinhalb Monaten die Brandmeisterausbildung anfangen werde und somit ein neuer Lebensabschnitt beginnt, passt ein Innehalten für mich gerade sehr gut. Außerdem gibt es einige „Schatten“, zu denen ich bis jetzt nur sehr begrenzt Zugang finde – hier erhoffe ich mir durch die Auszeit tiefere Einblicke.
2. Der digitale Entzug: Du wirst 10 Tage lang kein Handy, keine Bücher und kein Schreibmaterial haben. Auf welche „Ersatzdroge“ wird dein Gehirn am dritten Tag ohne Ablenkung vermutlich am stärksten reagieren?
Flo: Das ist schwer zu sagen, aber ich denke, die Mahlzeiten werden als einzige Abwechslung wohl massiv an Bedeutung gewinnen und zur neuen „Ersatzdroge“ werden.
3. Das Edle Schweigen: Zehn Tage lang kein einziges Wort – nicht einmal ein Kopfnicken zu den Mitmenschen ist erlaubt. Was glaubst du: Wird das Schweigen nach außen schwieriger oder das Zur-Ruhe-Kommen der Gedanken im Inneren?
Flo: Da ich gerne und viel rede und meine Begeisterung oft schnell nach außen tragen möchte, denke ich, dass beides extrem herausfordernd werden wird.
4. Was lernst du für Wildlingsheim: In unserer Saunajurte begleiten wir Menschen in die Entspannung. Was denkst du – wie wird diese Erfahrung von 100 Stunden Meditation deine Art verändern, wie du mit deinen Mitmenschen als Outdoor Guide und Saunameister umgehst?
Flo: Ich wünsche mir sehr, dass zum einen der tiefe Einblick in Technik, Methode und Wirkung der Meditation und zum anderen die Konfrontation mit dem Unbewussten meine Fähigkeiten schärfen. Ich erhoffe mir einen deutlichen Push dabei, Meditationen und Mentaltraining noch verständnisvoller und präziser anleiten und konzipieren zu können.
5. Der gesundheitliche Blick: Als Pfleger in der Notaufnahme kennst du die Wirkung von Dauerstress auf den Körper. Was erhoffst du dir rein physiologisch von diesem kompletten Reizentzug und der Umstellung auf den 4-Uhr-Morgengong?
Flo: Ich erhoffe mir einen leichteren Einstieg in eine Neuausrichtung einiger Lebensbereiche und das Etablieren von mehr qualitativ hochwertiger „Me-Time“. Mental wie körperlich belastende Arbeitsplätze erfordern viel Eigenverantwortung vom Arbeitnehmer zur Entwicklung von Selbstpflegekompetenzen, da sich sonst von selbst negative Copingstrategien einstellen. Da erhoffe ich mir einen echten Fortschritt für mich.
6. Die größte Hürde: Der Zeitplan ist streng, das Essen vegetarisch und nach mittags gibt es nur noch Tee. Vor welcher der offiziellen Regeln des Zentrums hast du den größten Respekt?
Flo: Das Essen wird vermutlich verhältnismäßig leicht, da ich gut mit vegetarischer Kost zurechtkomme und auch schon längere Heilfastenperioden hinter mir habe. Nicht zu sprechen und absolut keine Ablenkung zu haben, wird wohl am schwersten sein – vor allem, wenn man sich erst einmal an den strikten Zeitplan adaptiert hat.
7. Die Rückkehr: Wenn du nach 10 Tagen die Stille brichst und zurückkommst – wie willst du diese neu gewonnene „innere Mitte“ in den oft hektischen Alltag unseres Lebens und Wildlingsheim-Business retten?
Flo: Da ich nun nach ca. vier Jahren Schichtdienst in der Notaufnahme endlich mal wieder eine geregeltere Struktur im Arbeitsleben haben werde, möchte ich versuchen, meinen privaten Hauptfokus von abends auf morgens zu verschieben. Ich hoffe darauf, dass ich meine Meditationspraxis mit höherer Regelmäßigkeit fortsetzen kann und insgesamt eine verbesserte Selbstdisziplin mit nach Hause nehme.
Wir wünschen dir viel Erfolg auf deiner ganz persönlichen Reise nach Innen und freuen uns über deinen Erfahrungsbericht! N.K.
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