Zurück zu den Wurzeln – Ein Wildlingswochenende mit Vater und Söhnen
Ein Rückblick auf unser erstes Familien-Wildniswochenende: Wenn moderne Jungs ihre ursprünglichen Instinkte wiederentdecken
Das Smartphone blieb zu Hause. Die gewohnten vier Wände tauschten wir gegen Waldboden und Sternenhimmel. Am vergangenen Wochenende durften wir erleben, was Wildlingsheim im Kern ausmacht: Menschen dabei zu begleiten, ihre ursprüngliche Verbindung zur Natur wiederzufinden. Diesmal waren es ein Vater und seine beiden Söhne, die gemeinsam in die Wildnis eintauchten.
Lebenselixier aus der Natur – Wasser finden und aufbereiten
Der erste Auftrag klang einfach: „Findet sauberes Trinkwasser.“ Doch was für uns Erwachsene selbstverständlich aus dem Hahn kommt, wird in der Natur zur Überlebensfrage. Gemeinsam mit Flo, unserem Wildnisführer, wanderten wir zum nahegelegenen Bach. Die Augen der Jungs wurden groß, als sie merkten: Das klare, plätschernde Wasser könnte voller unsichtbarer Gefahren stecken.
„Papa, können wir das wirklich trinken?“ Die Skepsis war berechtigt. Also zeigte uns Alexander, wie wir aus einer simplen Plastikflasche, Sand, Kies und Aktivkohle einen improvisierten Wasserfilter bauen. Schicht für Schicht füllten die Söhne das Material ein – grobkörniger Kies unten, dann feiner Sand, obenauf die Aktivkohle. Das trübe Bachwasser verwandelte sich tropfenweise in kristallklare Flüssigkeit.
Der Moment der Wahrheit: Der erste vorsichtige Schluck. Die Gesichter entspannten sich – es funktionierte! „Das schmeckt ja wie richtiges Wasser!“, staunte der Zehnjährige. Sein älterer Bruder war bereits dabei, die Technik zu verfeinern und einen zweiten Filter zu konstruieren.
Feuer ohne Feuerzeug – Die Kunst des Feuermachens
„Wie haben die Menschen früher Feuer gemacht?“ Diese Frage führte uns zur wohl ursprünglichsten aller Wildnis-Fertigkeiten: dem Feuerbohren. Alexander, unser Wildnispädagoge zeigte mit einem Feuerbohrer-Set aus trockenem Holz den Grundaufbau. Ein Feuerbrett, eine drehende Spindel, Zunder aus Birkenrinde.
Die ersten Versuche des 28-jährigen Sohnes endeten mit Schweiß auf der Stirn, aber ohne Glut. „Das ist viel schwerer als gedacht!“ keuchte er. Sein kleiner Bruder kicherte – bis er selbst an der Reihe war. Plötzlich wurde klar: Das war kein Spiel, sondern harte Arbeit. Der Vater schaute zu und feuerte beide an, während Flo geduldig Tipps zur Technik gab.
Nach einer Stunde geduldigen Übens dann endlich: Ein winziger Rauchfaden stieg auf! „Da! Da glüht was!“ rief der Zehnjährige. Der Zunder begann zu kokeln. Vorsichtig, fast ehrfürchtig, pustete der große Bruder die winzige Glut an. Die Birkenrinde fing Feuer. Jubel brach aus – als hätten sie gerade das Feuer erfunden.
Diese Ur-Erfahrung schweißte die Brüder zusammen. Generationen männlicher Vorfahren hatten genau so ihr Feuer entfacht. In diesem Moment spürten beide diese uralte Verbindung zu ihren Ahnen.
Kochen wie die Pioniere – Der gusseiserne Topf am Lagerfeuer
Das selbst gemachte Feuer prasselte gemütlich. Zeit fürs Abendessen – nicht aus der klassischen Küche, sondern aus dem schweren gusseisernen Dutch Oven. Kartoffeln, Zwiebeln, Gemüse – alles wanderte in den Topf. Dazu Kräuter, in diesem Fall Brennesseln, die wir im Wald gesammelt hatten.
Natalie übernahm das Kochen am Lagerfeuer – eine Kunst für sich. Lagerfeuer-Kochen ist Geduld und Intuition. Zu heiß, und alles brennt an. Zu wenig Glut, und nichts gart durch. Die drei Männer schauten fasziniert zu, wie das Feuer reguliert wurde und der schwere Topf geschickt gehandhabt wurde.
Das Ergebnis war ein Festmahl. Es schmeckte besonders und es war nach dem langen Tag draußen verdient und wohltuend. Jeder Bissen war das Resultat von Teamwork, Geduld und alten Fertigkeiten. „Das schmeckt wie Abenteuer!“, brachte es der Jüngere auf den Punkt.
Während sie aßen, erzählte der Zehnjährige aufgeregt von seinem Tag. Der 28-jährige Bruder philosophierte darüber, wie Menschen früher gelebt haben müssen. Der Kleine wollte wissen, ob sie morgen wieder Feuer bohren könnten.
Grenzen überwinden – Nachtwanderung mit verbundenen Augen
Als die Dämmerung kam, wagten wir uns mit Alexander und Flo an eine besondere Herausforderung: Eine Nachtwanderung mit verbundenen Augen. „Vertraut euren anderen Sinnen“, erklärte er. „Hört, fühlt, riecht den Wald.“
Die erste Reaktion war Unsicherheit. Ohne den dominanten Sehsinn wirkten die gewohnten Waldgeräusche plötzlich fremd und intensiv. Jedes Knacken eines Astes ließ sie innehalten. „Bist du noch da?“ Die Stimmen klangen kleiner, verletzlicher.
Aber nach einigen Minuten begann die Magie. Die anderen Sinne erwachten. „Ich rieche Moos!“ – „Hier fühlt sich der Boden anders an!“ – „Das Bächlein ist lauter geworden, wir müssen näher dran sein!“
Die beiden Brüder liefen alleine durch die Dunkelheit, während Alexander und Flo diskret die Sicherheit gewährleisteten. Diese Vertrauensübung schweißte die Familie noch enger zusammen.
Als sie die Augenbinden abnahmen, war ihre Wahrnehmung geschärft. Der Wald bei Nacht erschien nicht mehr bedrohlich, sondern vertraut. Sie hatten ihre Komfortzone verlassen und waren stärker zurückgekehrt.
Eine Nacht unter dem Sternenhimmel – Schlafen im Tipi
Das Highlight wartete am Ende: Eine Nacht im 7-Meter-Tipi. Kein elektrisches Licht – nur das sanfte Flackern der Glut im Zentrum der Jurte und der unendliche Sternenhimmel durch die Rauchluke.
Die Gespräche am Lagerfeuer wurden tiefer. Ohne Ablenkungen redeten die drei über Dinge, die im Alltagstrubel untergehen. Der 28-jährige Sohn fragte nach alten Familiengeschichten. Der Zehnjährige wollte wissen, warum Sterne funkeln. Der Vater erzählte von seiner eigenen Kindheit.
Als das Feuer zu Glut wurde und die erste Müdigkeit kam, kuschelten sich alle drei in ihre Schlafsäcke. Die Geräusche der Nacht waren nicht mehr beängstigend, sondern beruhigend. Das Knistern der letzten Glut, das ferne Käuzchen, das Rascheln kleiner Waldtiere.
Was bleibt – Mehr als nur Survival-Techniken
Am nächsten Morgen packten veränderte Menschen ihre Sachen. Die Survival-Techniken waren wichtig – Feuer bohren, Wasser filtern, am offenen Feuer kochen. Aber das waren nur die äußeren Fertigkeiten.
Was wirklich zählte, war die Rückverbindung: Zu den eigenen Instinkten, zur Natur, zueinander. Der Vater hatte seine beiden Söhne in einer völlig neuen Umgebung erlebt – der eine erwachsen und verantwortungsbewusst, der andere neugierig und mutig. Die Söhne hatten erfahren, dass sie mehr können, als sie dachten. Und dass die wichtigsten Momente des Lebens oft die einfachsten sind.
Alexander und Flo hatten als erfahrene Wildnisführer nicht nur Techniken vermittelt, sondern einen Raum geschaffen, in dem echte Verbindung entstehen konnte. Das ist die Kunst der Wildnispädagogik – nicht nur lehren, sondern ermöglichen.
„Ich wünsche ich wäre öfters im Wald, aber meine Freunde habe ich alle gefragt, die wollen nicht“ sagte der Zwölfjährige.
Vater und der große Bruder versichern ihm, dass sie nun wieder öfter zusammen in die Natur gehen werden.
Warum Wildlings-Erfahrungen so wichtig sind
Dieses Wochenende hat gezeigt, was Wildlingsheim erreichen möchte. Es geht nicht darum, aus Stadtkindern Überlebenskünstler zu machen. Es geht darum, eine Generation heranzuziehen, die weiß, dass sie Teil der Natur ist – nicht nur Konsument von ihr.
In einer Zeit, in der Kinder mehr über YouTube-Algorithmen wissen als über Tierspuren, in der virtuelle Welten realer erscheinen als der Wald vor der Haustür, sind solche Erfahrungen nicht nur schön – sie sind überlebenswichtig.
Nicht für den Körper, sondern für die Seele.
Habt ihr Lust auf euer eigenes Wildlings-Abenteuer? Ob als Familie, Freundesgruppe oder ganz individuell – die Natur wartet darauf, euch ihre Geheimnisse zu verraten.
Die nächsten Wildniskurs-Termine geben wir bald bekannt. Folgt uns hier oder meldet euch bei uns.
Wildlingsheim – Wo Menschen zu sich selbst und zur Natur zurückfinden.
N.K.










